The Adventures of the Pirate Maria Amante

 

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Es war einmal oder wird sein - II

Auch dieser Text wird vorerst nicht veröffentlicht. Auch hier bitte ich um eine Nachricht, falls Interesse besteht. Danke.

 MarieLiesa 

26.8.15 06:15


Seeräuber-Jenny

Seeräuber-Jenny, Text: Bertolt Brecht

 

Meine Herren, heute sehen Sie mich Gläser abwaschen
Und ich mache das Bett für jeden.
Und Sie geben mir einen Penny und ich bedanke mich schnell
Und Sie sehen meine Lumpen und dies lumpige Hotel
Und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden.
Aber eines Abends wird ein Geschrei sein am Hafen
Und man fragt: Was ist das für ein Geschrei?
Und man wird mich lächeln sehn bei meinen Gläsern
Und man sagt: Was lächelt die dabei?
Und ein Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird liegen am Kai.

Man sagt: Geh, wisch deine Gläser, mein Kind
Und man reicht mir den Penny hin.
Und der Penny wird genommen, und das Bett wird gemacht
Es wird keiner mehr drin schlafen in dieser Nacht
Und sie wissen immer noch nicht, wer ich bin.
Aber diesen Abend wird ein Getös sein am Hafen
Und man fragt: Was ist das für ein Getös?
Und man wird mich stehen sehen hinterm Fenster
Und man sagt: Was lächelt die so bös?
Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird beschießen die Stadt.

Meine Herren, da wird ihr Lachen aufhören
Denn die Mauern werden fallen hin.
Und die Stadt wird gemacht dem Erdboden gleich,
Nur ein lumpiges Hotel wird verschont von jedem Streich,
Und man fragt: Wer wohnt Besonderer darin?
Und in dieser Nacht wird ein Geschrei um das Hotel sein
Und man fragt: Warum wird das Hotel verschont?
Und man wird mich sehen treten aus der Tür am Morgen
Und man sagt: Die hat darin gewohnt?
Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird beflaggen den Mast.

Und es werden kommen Hundert gen Mittag an Land
Und werden in den Schatten treten.
Und fangen einen jeglichen aus jeglicher Tür
Und legen ihn in Ketten und bringen ihn mir
Und fragen: Welchen sollen wir töten?
Und an diesem Mittag wird es still sein am Hafen
Wenn man fragt, wer wohl sterben muss.
Und dann werden Sie mich sagen hören: Alle!
Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich: Hoppla!
Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird entschwinden mit mir.

5.6.13 18:19


Das Dirnenlied

Pension Schöller von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs; (Bearbeitung von Hugo Wiener für die Wiener Kammerspiele)

 

 

Das Dirnenlied

 

Ich bin eine Dirne …

Mein Erster war ein blonder Matros'
Ich war ein jung Ding, war ahnungslos
In Hamburg auf der Reeperbahn
da pirschte ein Bursche sich barsch heran
Er hat mich roh ins Haustor gedrückt
Was half mir mein Schreien
er hat mich geknickt

Ich bin eine Dirne …

Mein Zweiter war ein junger Mann
ein Springinsfeld, charmant, ein Galan
Er führte mich ins Separee
Dort warf er mich aufs Kanapee
ich hab' ihn gebissen, ich hab' ihn gestochen
was half mir mein Sträuben
er hat mich gebrochen

Ich bin eine Dirne …

Mein Dritter, mein Vierter, ich kenn' sie nicht mehr
Da, eines Tages geschah das Malheur
Sie kamen mich holen
mit Messern und Pistolen
Sie trieben mich unbarmherzig hinaus
Wohin – nach Rio
ins Freudenhaus

Da gab es nur Männer in blauen Hosen
Matrosen, Matrosen

Doch eines Abends kam ein Mann
dem hatt's meine Schönheit angetan
Er hat mich zu seiner Frau gemacht
nun hat mir das Leben wieder gelacht
Er führte mich auf sein fürstlich' Schloss
und schenkte mir Perlen und Dienertross
Doch trotz gülden Geschmeide und seidener Strümpfe
es zog  mich hinab, hinab in die Sümpfe
So bin ich, was ich war zuvor
Und wer es nicht weiß, dem schrei' ich's ins Ohr

ich bin
eine Dirne

 

[Anmerkung: Klapproths Zwischenbemerkungen wurden in diesen Text nicht mit aufgenommen]

5.6.13 18:28


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